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Mittwoch, 16. Dezember 2009
Eine Mutter kämpft um ihre Kinder
Von familielauke, 22:57

Bürger unterstützen mit einer Lichterkette vor dem Kreishaus die Forderung von Angela Holzinger

LUCKENWALDE - Bevor die Kreistagsabgeordneten am Montag zur Landratswahl schritten, wurden sie vor dem Luckenwalder Kreishaus von einer kleinen Demo überrascht. Mit einer Mahnwache und Lichterkette unterstützten rund 20 Sympathisanten die Forderung von Angela Holzinger. Die Wünsdorferin hatte wegen einer Krankheit drei ihrer Kinder vorübergehend in die Obhut des Jugendamtes gegeben. Seit zwei Jahren bemüht sie sich vergeblich, sie aus den Pflegefamilien zurückzubekommen (die MAZ berichtete).

Mit Kerzen und Plakaten machten die Demonstranten auf sich aufmerksam: „Ein Weihnachtsfest ohne Kinder – und das schon zum dritten Mal“ war unter anderem zu lesen. Zu denen, die bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zwei Stunden lang ausharrten, gehörte die 79-jährige Hildegard Schäfer aus Rosenthal, einem Nachbarort der Pflegeeltern, wo derzeit die beiden größeren Kinder leben. „Ich finde es ganz natürlich, dass die Kinder zu ihrer Mutter gehören“, sagte sie.

Die 17-jährige Katja Hein verteilte heiße Getränke: „Ich bin entsetzt, dass Frau Holzinger nicht zu ihren Kindern darf. Dafür muss man sofort kämpfen.“ Frank Schäfer ist der leibliche Vater der größeren Kinder. „Obwohl ich nicht das Sorgerecht habe, setze ich mich dafür ein, dass meine Kinder wieder zu ihrer Mutter kommen“, forderte er.

Peter Hein (76) aus Potsdam ist pensionierter Kinderarzt und hat über Jahre mit Jugendamt und Jugendgesundheitsdienst zusammengearbeitet. „Ich kenne die Arbeitsweise der Jugendämter und habe überwiegend gute Erfahrungen. Was hier abläuft, habe ich noch nie erlebt“, sagte er der MAZ. „Die erste Rolle im Leben der Kinder spielt die Mutter, auch in schwierigen Situationen. Das Jugendamt ist dann gehalten, Hilfe anzubieten und nicht die Kinder von der Mutter zu trennen“, so der Mediziner.

Vor allem suchten die Demonstranten ein offenes Ohr bei den Politikern. Christoph Schulze, SPD-Fraktionschef im Kreistag, bot Gesprächsbereitschaft an. Marcel Penquitt (SPD), Mitglied im Wirtschaftsausschuss, will sich sachkundig machen. „Wir reden umgehend mit dem Dezernenten Norbert Siemieniec“, versprach er.

Kornelia Wehlan, Kreischefin der Linken, bemängelte: „Wir kennen den Fall aus der MAZ. Eigentlich geht man den direkten Weg zur Fraktion oder zur Behörde.“ „Der Weg zur Behörde dauert inzwischen zwei Jahre“, kommentierte Rechtsanwältin Annett Hein die Aussage enttäuscht. Wehlan berief sich weiter auf die Aussage des Jugendamtes. „Wir haben im Jugendhilfeausschuss nachgefragt und die Information bekommen, dass die Faktenlage eine andere ist.“ Man werde aber die Aktion zum Anlass nehmen, sich nochmals des Falls anzunehmen. Kirsten Gurske, die frischgewählte künftige Vize-Landrätin, nahm das Ganze ohne Reaktion zur Kenntnis.

„Wir fordern, dass die Kinder sofort gemeinsam mit der Mutter in eine spezialisierte Klinik dürfen, um sich wieder aneinander zu gewöhnen. Die Plätze stehen bereit, das Jugendamt müsste nur zustimmen“, sagte Anwältin Hein. Sie befürchtet, dass bei den Pflegeeltern finanzielle Interessen eine Rolle spielen.

Aus der Kreisverwaltung war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. „In einem laufenden Verfahren äußern wir uns nicht“, sagte Joachim Lattke, persönlicher Referent des Landrates. Angela Holzinger erwägt nun, sich an den Petitionsausschuss des Landtages zu wenden. (Von Elinor Wenke)

Quelle : maerkischeallgemeine.de

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